Zahlreiche Gäste waren am 15.03. in die Aula der Gesamtschule Wenden geströmt, um zu hören, was der Musikverein Gerlingen unter der Leitung von Dirigent Marc Siewer für sie vorbereitet hatte. Schon zu Beginn des Programms kündigte der erste Vorsitzende Lars Büdenbender eine absolute Vereinspremiere an.
Auf den eröffnenden Parademarsch in B-Dur von Albert Lorenz folgte mit „With Heart and Voice“ ein zeitgenössisches Stück des Komponisten David Gillingham. Moderator Rainer Dornseifer, der gewohnt charmant durch den Abend führte, erläuterte die Geschichte hinter der Musik: Zum Jubiläum einer amerikanischen Highschool komponiert, folgt das Stück der Entwicklungsgeschichte einer sich etablierenden Bildungseinrichtung: Zögerliche, durchscheinende Passagen symbolisieren Unsicherheit, ein langsamer Aufbau repräsentiert die Findungszeit zu Beginn. Aufeinanderprallende Rhythmen malen ein Bild intensiven Austauschs. Der rote Faden ist das Hauptthema, die Melodie des Chorals „Come, Christians, join to sing“ – kommt Christen, singt mit – der vielfältig variiert regelmäßig aufblitzt und zum Abschluss im Tutti gestärkt und harmonisch die Stärke und Festigung der etablierten Schule zeigt.
Anschließend boten die Musikerinnen und Musiker zwei Sätze aus der 9. Sinfonie des tschechischen Komponisten Antonin Dvořák dar. Den zweiten Satz prägt das bekannte Hauptthema, berührend gespielt von Englischhorn und tiefer Oboe, kontrastiert von einer schnelleren Totenklage im Mittelteil. Im vierten Satz stößt Dvořák bereits nach wenigen Takten mit gewaltigen Melodien die Tür zur neuen Welt auf. Der Musikverein zeigte in beiden Sätzen, warum Dvořáks 9. zu den meistgespielten Sinfonien der Welt zählt und dass man diesem Klassiker auch als Blasorchester mehr als gerecht werden kann.
Die zweite Konzerthälfte begann mit dem „Superman March“ aus der Feder von John Williams, der seit der ersten Verfilmung 1978 die Erkennungsmelodie des ersten Superhelden der Geschichte bildet. Im Anschluss folgte die zu Beginn angekündigte Premiere: Als Tribut an das Instrument des Jahres 2025, die Stimme, hatte der Musikverein erstmals einen Chorgesang, das Volkslied „Der Mond ist aufgegangen“, im Programm. „Die Stimme ist Ausdruck und Spiegelbild unserer Seele. Mit ihr können wir verführen oder abschrecken, schreien oder flüstern, jubeln oder weinen – und wir können mit ihr singen “ hatte Rainer Dornseifer in seiner Moderation die Motivation für den außergewöhnlichen Programmpunkt beschrieben. Bei der Vorbereitung war der Musikverein von Moritz Schönauer unterstützt worden, der bereits seit einigen Jahren in der Tanzband Airport spielt und den Chorsatz geschrieben hatte. Der vierstimmige Chor wurde in ein berührendes Arrangement für Orchester und zwei Solistinnen, Sängerinnen Larissa Solbach und Lea Wurm, übergeleitet. Der Schritt „mit Mut und Zuversicht in Neuland“ wurde mit donnerndem Applaus gewürdigt.
Mut und Zuversicht sind zugleich Hauptthemen des Films „Drachenzähmen leicht gemacht“, der Wikingerjungen Hicks bei dem Versuch begleitet, die Wikinger seines Dorfs und die es dauerhaft überfallenden Drachen zu Verbündeten und Freunden zu machen. Die Filmmusik hat seit Veröffentlichung des ersten Films nicht an ihrer Beliebtheit verloren und weckte bei dem ein oder anderen Gast sicher Vorfreude auf die für dieses Jahr angekündigte Realverfilmung.
Zum Abschluss legte der Musikverein die Stimme noch einmal in den Fokus – dieses Mal jedoch in ganz anderer Stilrichtung. „Vollgas“ war die Tempoangabe für „Lone Digger“ der französischen Electroswing-Band Caravan Palace, und entsprechend temporeich waren Gesang und Rap von Larissa Solbach und Lea Wurm. Zwei Zugaben brachten den erfolgreichen Konzertabend mit guter Stimmung zu Ende.